Texte zur Wallfahrt 2025 − „Mir reicht’s – ich geh’ pilgern“
Impulse
1. Impuls
Die ersten Schritte sind getan – wir sind unterwegs nach Kevelaer. Dieses Jahr steht unsere Wallfahrt unter dem Motto: „Mir reicht’s – ich geh’ pilgern.“ Das heißt für mich:
Es ist wieder September und ich weiß, dass es erneut an der Zeit ist, in meinen Pilgermodus zu wechseln – eine Zeit, die ich mir für mich selbst und meinen Glauben nehme. Jeder von uns hat sich heute Morgen entschieden, in den Pilgermodus zu wechseln, indem wir zusammen in Hamborn gestartet und losgelaufen sind.
Der Alltag kann für jeden von uns ganz unterschiedlich aufbrausend sein. Einige meiner Freunde sind in letzter Zeit zeitlich zu kurz gekommen, Nachrichten sind unbeantwortet geblieben. Ich kann einfach nicht mehr. Ich bin genervt und komme nicht zur Ruhe. Mir reicht’s, das Fass ist voll.
Genau dafür bin ich jetzt hier. Heute entscheide ich mich, den ganzen Alltagskram mal hinter mir zu lassen. Keine Ablenkung, kein Stress – nur ich, dieser Weg, Gott und Maria.
Denn: Mir reicht’s – ich geh’ pilgern.
2. Impuls
Seit heute Morgen befinde ich mich im Pilgermodus. Denn mir reicht’s. Um mich herum ist ganz schön was los – und das macht mir Angst. Dinge, an die ich immer fest geglaubt habe, sind plötzlich in Bewegung. Deutschlands erfolgreichste Konzerne bauen Stellen ab. Unser Land rüstet auf. Hart erkämpfte Rechte zum Schutz von Minderheiten werden wieder abgeschafft. In Europa führen Staaten Kriege miteinander. Das Leben wird teurer. Diese Dinge bedrücken mich. Ist mein Leben oder meine Lebensart bedroht? Beim Pilgern finde ich die Kraft und Zuversicht, die mir im Alltag manchmal verloren geht. Auf dem Weg zu Maria finde ich ein Ventil für meine Sorgen. Im Gespräch mit Gott oder im Gespräch mit den Menschen, die mich begleiten. Die sehen zwar nicht immer alles genau so wie ich, aber sie machen mir Mut. Denn trotz gelegentlich unterschiedlicher Meinungen: Sie pilgern mit mir. Zur Trösterin der Betrübten. Und genau da möchte ich heute hin.
3. Impuls
Jedes Jahr, wenn ich pilgere, gibt es Themen, über die ich auf dem Weg nachdenke. Etwas, das mich in der letzten Zeit besonders beschäftigt hat und mich auch für eine gewisse Zeit noch beschäftigen wird. Heute möchte ich einfach mal loslassen!
Ich pilgere, um aus meinem Alltag auszubrechen, um abzuschalten und um anzukommen. Mach meinen Kopf aus, ziehe meine Schuhe an und pilgere los. Genau diese Leichtigkeit habe ich auf dem Weg nicht immer. Mir fällt es schwer, den Kopf auszuschalten und das Handy auf Flugmodus zu stellen. Doch genau deshalb pilgere ich. Ich tanke neue Kraft und neue Hoffnung, die mich in den nächsten Tagen, Wochen oder sogar Monaten noch tragen wird.
Jetzt – kurz vor Kevelaer, kurz vor meinem heutigen Ziel – bin ich glücklich, zufrieden und voller Hoffnung, dennoch bin ich müde. Mein Kopf ist erschöpft von vielen guten Gesprächen, mein Körper ist kraftlos von dem weiten Weg.
Mir reicht’s – ich will ankommen!
4. Impuls
Mir reicht’s. Der Tag war anstrengend, der Weg war lang. Wenn ich ehrlich bin, hatte ich irgendwann keine Lust und Energie mehr. Da konnte ich mir noch so oft sagen, dass ich mich im Pilgermodus befinde, ich mein Handy heute auf „nicht stören“ gestellt habe und meinen Alltag mal hinter mir lassen wollte. Denn so ganz hat er mich dann eben doch nicht losgelassen. Heute im Laufe der Wallfahrt hatte ich einige Momente, an denen mich meine Gedanken eingeholt haben. An denen sich die Probleme, der Stress zu Hause und die Lage der Welt doch wieder nach vorne gedrängt haben. Vieles davon konnte ich auf dem Weg mit meinen Mitpilgernden besprechen – meinen Sorgen und Ängsten Luft machen. Das Miteinander ist für mich immer eine der schönsten Erfahrungen der Wallfahrt: Mein Leben aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten und neue Denkanstöße zu bekommen. Alles einfach mal von einer anderen Perspektive zu betrachten. Die Dinge, die danach noch übergeblieben sind, konnte ich beim Ankommen dann der Mutter Gottes anvertrauen. Bei Ihr sind, nicht nur heute, meine Sorgen, Fragen oder schlechten Launen immer gut aufgehoben. So wie die Pilgergemeinschaft mich über den Tag getragen hat, wird die Gemeinschaft mit Maria mich auch weiter tragen, wenn ich vom Pilgermodus zurück in den Alltagsmodus wechsle.
5. Impuls
Für mich ist Pilgern mehr als nur das Zurücklegen von Kilometern. Es ist eine Gelegenheit, verschiedene Aspekte meines Lebens aus einem neuen Blickwinkel zu betrachten.
Der Apostel Paulus sagt: „Seid dankbar in allen Dingen“ (1. Thessalonicher 5,18). Das bedeutet für mich, in jedem Moment des Lebens etwas Gutes zu finden. Heute tun meine Füße weh, aber ich bin froh, hier zu sein.
„Mir reicht’s – ich geh’ pilgern!“ Manchmal wird mir alles zu viel. Im Pilgern finde ich einen Weg, loszulassen und mich auf das Gute zu konzentrieren. Ich bin dankbar für jeden Schritt, jede Begegnung und jeden Augenblick auf unserem Weg. Ich vertraue darauf, dass Gott in allem gegenwärtig ist – im Lächeln eines Mitpilgers, im Gebet oder in der Stille.
In diesem Sinne: Danke!
Komplet
Lied- und Textheft der Hamborner Fußpilger für die Komplet am Samstag, 13. September 2025.
Eröffnungsimpuls
Mir reicht’s – ich geh’ pilgern!
V: Mir reicht’s. Der Tag war anstrengend. Ich musste früh aufstehen, das Wetter war herausfordernd und die letzten Kilometer waren nochmal extra hart. Es gab viele Momente, an denen ich einfach keinen Bock mehr hatte. Da ist mir meine gute Laune ausgegangen. Teilweise hatte ich weder die Energie, noch die Lust, mich mit meinen Mitpilgerinnen zu unterhalten. Das ging einfach nicht mehr. In den Momenten bin ich immer besonders froh, in einer Gruppe unterwegs zu sein. Sich von den anderen mitziehen zu lassen, während ich von meinen eigenen Gedanken und Problemen gefesselt bin. An dem einen oder anderen Gespräch zwar nicht aktiv teilzunehmen, aber zuzuhören. Wenn ich wieder genug Kraft zusammen habe, beteilige ich mich auch gerne wieder. Ich will die anderen mit meiner miesen Stimmung ja nicht mit runterziehen. Aber trotzdem möchte ich meiner schlechten Stimmung, meiner Frustration und meiner Erschöpfung Luft machen. Im Stillen wende ich mich dann gerne an Maria, die Trösterin der Betrübten. Denn es gibt einige Momente, jedes Jahr, die mich betrüben. Manchmal schon am Start – die letzten Wochen waren stressig, vielleicht habe ich einen wichtigen Termin nach diesem Wochenende, der mich jetzt schon nervös macht. Oder eben auf dem Weg, wenn ich keine Energie mehr habe und mir alles auf die Nerven geht. In den Momenten, in denen gar nichts mehr geht, frage ich mich jedes Jahr aufs Neue – warum tust du dir das an? Die Antwort ist für mich, dieses wie auch die Jahre davor: „Weil ich das brauche.“ Den Perspektivwechsel, während der Wallfahrt auf so viele verschiedene Leute zu treffen und mich in Gesprächen über ihr Leben auszutauschen. Ich brauche den Tag, an dem ich mein Handy so selten wie sonst nie aus der Tasche hole. Ich brauche die Zuversicht, dass am Ende meines Weges die Mutter Gottes steht, die es mir nicht übel nimmt, dass ich den Weg zu ihr an vielen Momenten gar nicht so toll fand. Weil jetzt bin ich hier. Mit dem Laufen reicht’s mir für heute.
Eröffnungsversikel
L: O Gott, komm mir zu Hilfe.
R: Herr, eile mir zu helfen.
L: Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist.
R: Wie im Anfang so auch jetzt und alle Zeit und in Ewigkeit.
Schuldbekenntnis
A: Ich bekenne Gott, dem Allmächtigen, und allen Brüdern und Schwestern, dass ich Gutes unterlassen und Böses getan habe – ich habe gesündigt in Gedanken, Worten und Werken – durch meine Schuld, durch meine Schuld, durch meine große Schuld. Darum bitte ich die selige Jungfrau Maria, alle Engel und Heiligen und euch, Brüder und Schwestern, für mich zu beten bei Gott, unserem Herrn.
L: Der allmächtige Gott erbarme sich unser.
R: Er lasse uns die Sünden nach und führe uns zum ewigen Leben.
A: Amen.
Hymnus

Psalm 62 – Vertrauen auf Gottes Macht und Huld
L: Bei Gott allein kommt meine Seele zur Ruhe, von ihm kommt mir Hilfe.
R: Nur er ist mein Fels, meine Hilfe, meine Burg; darum werde ich nicht wanken.
L: Wie lange rennt ihr an gegen einen Einzigen, stürmt alle heran wie gegen eine fallende Wand, wie gegen eine Mauer, die einstürzt?
R: Ja, sie planen, ihn von seiner Höhe zu stürzen; Lügen ist ihre Lust. Sie segnen mit ihrem Mund, doch in ihrem Herzen fluchen sie.
L: Bei Gott allein kommt meine Seele zur Ruhe; denn von ihm kommt meine Hoffnung.
R: Nur er ist mein Fels, meine Hilfe, meine Burg; darum werde ich nicht wanken.
L: Bei Gott ist mein Heil, meine Ehre; Gott ist mein schützender Fels, meine Zuflucht.
R: Vertrau ihm, Volk Gottes, zu jeder Zeit! Schüttet euer Herz vor ihm aus! Denn Gott ist unsere Zuflucht.
L: Nur ein Hauch sind die Menschen, die Leute nur Lug und Trug. Auf der Waage schnellen sie empor, leichter als ein Hauch sind sie alle.
R: Vertraut nicht auf Gewalt, verlasst euch nicht auf Raub! Wenn der Reichtum auch wächst, so verliert doch nicht euer Herz an ihn!
L: Eines hat Gott gesagt, zweierlei habe ich gehört: Bei Gott ist die Macht.
R: Herr, bei dir ist die Huld. Denn du wirst jedem vergelten, wie es seine Taten verdienen.
Kurzlesung
Vorschlag 1: Jesaja 41, 8–10
V: Der Herr sagt: Israel, du bist das Volk, das mir dient. Du Nachkommenschaft Jakobs, dich habe ich erwählt. Du stammst von meinem Freund Abraham ab, dich allein habe ich vom Ende der Erde herbeigeholt. Von weit her habe ich dich gerufen und zu dir gesagt: &bbquo;Du sollst mir dienen!&bbquo; Dich habe ich erwählt und nicht verstoßen. Fürchte dich nicht, denn ich stehe dir bei; hab keine Angst, denn ich bin dein Gott! Ich mache dich stark, ich helfe dir, mit meiner siegreichen Hand beschütze ich dich!
Vorschlag 2: Jesaja 41, 17–20
V: Der Herr sagt: Mein Volk steckt tief im Elend. Sie suchen Wasser, aber finden keins. Vor Durst klebt ihnen die Zunge am Gaumen. Doch ich, der HERR, antworte auf ihre Hilfeschreie. Ich bin der Gott Israels und lasse mein Volk nicht im Stich. Auf den kahlen Hügeln lasse ich Bäche hervorbrechen, und in öden Tälern sollen Quellen entspringen. Ich verwandle die Wüste in fruchtbares Land mit Teichen und sprudelnden Quellen. Viele Bäume pflanze ich dort an: Zedern, Akazien und Myrten, Ölbäume und Wacholder, Platanen und Zypressen. Wer das sieht, wird erkennen, dass ich, der HERR, hier eingegriffen habe; jeder soll wissen: Der heilige Gott Israels hat dies alles gemacht.
Responsorium (gesungen)
A: Sei unser Heil, o Herr, derweil wir wachen, behüte uns, wenn wir schlafen; damit wir wachen mit Christus und ruhen in Frieden.
Nunc Dimittis – Lobgesang des Simeon (gesungen)
L: Nun lässt du, Herr, deinen Knecht,
R: wie du gesagt hast, in Frieden scheiden.
L: Denn meine Augen haben das Heil gesehen,
R: das du vor allen Völkern bereitet hast,
L: ein Licht, das die Heiden erleuchtet,
R: und Herrlichkeit für dein Volk Israel.
L: Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist.
R: Wie im Anfang, so auch jetzt und allezeit und in Ewigkeit.
A: Amen.
Antiphon (gesungen)
A: Sei unser Heil, o Herr, derweil wir wachen, behüte uns, wenn wir schlafen; damit wir wachen mit Christus und ruhen in Frieden.
Oration
V: Allmächtiger Gott, Herr Jesus Christus, wir danken dir für den heutigen Tag. Gewähre uns eine erholsame Nacht und nimm unsere Sorgen und Nöte von uns. Maria, du betest an unserer Seite. Stärke unser Vertrauen in Gott und hilf uns in Angst, Trauer und Erschöpfung. Heilige Maria,
A: Bitte für uns.
Segen und Schlusslied
Pilgermesse
Liederheft der Hamborner Fußpilger zum Gottesdienst am Sonntag, 14. September 2025.
Zum Einzug:

Zum Kyrie:
Zum Gloria:

Ruf vorm Evangelium:
Credo:
Zur Gabenbereitung:
Vater Unser:

Sanctus: Gesprochen
Zum Agnus Dei:
Danksagung:
Zum Auszug:

Kreuzweg
Kreuzweg der Hamborner Fußpilger am Sonntag, 14. September 2025.
Lieder auf dem Weg
1. Maria, breit den Mantel aus (GL 534):

2. Christi Mutter stand mit Schmerzen (GL 532):

3. Bleibet hier und wachet mit mir (GL 286):
Eröffnung
Pilgern ist ein bewusster Schritt aus dem Alltag heraus. Gerade in Momenten, in denen das Leben sich unsicher und orientierungslos anfühlt, kann Pilgern helfen, um Altes loszulassen und neue Wege zu gehen.
Die Worte „Mir reicht’s!“ klingen wie ein Schrei aus Verzweiflung, Überforderung und Unsicherheit. „Mir reicht’s!“ kann jedoch auch ein Ausruf des Mutes und des Aufbruchs sein. Wie beim Kreuzweg. Er kann für uns wie ein Spiegel sein.
Manchmal scheint das Leben unerträglich schwer. Doch wie Jesus auf seinem Kreuzweg erfahren hat, gibt es selbst in den dunkelsten Momenten Möglichkeiten, Hoffnung zu schöpfen. Die Stationen des Kreuzweges laden uns dazu ein, innezuhalten, unseren Kummer zu erkennen, neue Kraft zu schöpfen und weiterzugehen.
Lassen wir uns heute auf diesen Weg ein. Gemeinsam mit der heiligen Maria, der Trösterin der Betrübten, wollen wir unsere Sorgen und Fragen mitnehmen und Trost, Orientierung und neue Sichtweisen entdecken. Mir reicht’s!
In Stille ziehen wir zur 1. Station.
1. Station – Jesus wird zum Tode verurteilt
V: Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich.
A: Denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.
Für mich fühlt sich vieles unsicher an. Bei meinen Entscheidungen fühle ich mich oft allein und ohne Kompass: Es fühlt sich an, als würde ich auf der Stelle treten und ohne Orientierung sein. Jede Entscheidung ist wie eine hohe Mauer, die ich überwinden muss. Es ist, als würde ich durch Nebel gehen, ohne zu wissen, wo ich hinlaufe. Das bringt mich an meine Grenzen. Ich habe Angst und fühle mich ohnmächtig. Ich kann mir gerade keine positive Zukunft vorstellen. Mir reicht’s!
V: Heilige Maria, Trösterin der Betrübten,
A: in Zeiten der Unsicherheit und der Angst, wenden wir uns an Dich. Hilf uns, Trost zu finden und neue Sichtweisen zu entdecken. Sei bei uns, wenn wir uns allein und ohne Hoffnung fühlen, und gib uns die Kraft, uns eine positive Zukunft vorzustellen. Amen.
In Stille ziehen wir zur 2. Station.
2. Station – Jesus nimmt das Kreuz auf seine Schultern
V: Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich.
A: Denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.
„Meine Schwester liegt im Krankenhaus. Ich unterstütze ihre Familie.“ „Die Tochter eines Freundes bekommt eine Diabetesdiagnose. Ich rufe meinen Freund an und höre zu.“ „Todesfall in der Familie. Ich kümmere mich um die engen Angehörigen.“
Dazu kommt: „Streit in der Großfamilie. Ich versuche zu schlichten.“ „Stress auf der Arbeit. Ich versuche alles zu schaffen.“ „Umzugspläne. Ich suche nach Lösungen.“ „Verwandte werden Pflegefälle. Ich berate in Sachen Pflegestufe und Pflegeheimwahl.“…
Meistens kommt das alles auf einmal. Es ist schwer. Es drückt auf den Schultern. Aber ich will es tragen. Ich will es schaffen. Weil ich muss. Weil ich möchte. Wer wenn nicht ich? Mir reicht’s!
V: Heilige Maria, Trösterin der Betrübten,
A: mit unseren persönlichen Kreuzen auf der Schulter, wenden wir uns an Dich. Stärke uns, die Lasten unseres Lebens zu tragen, und erinnere uns daran, Hilfe zu holen, wenn wir sie brauchen. Amen.
Auf dem Weg zur 6. Station singen wir das Lied „Herr, erbarme dich“ (HL 4):
6. Station – Veronika reicht Jesus das Schweißtuch
V: Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich.
A: Denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.
Oft gelingt es mir nicht, aus negativen Mustern auszubrechen und für andere Menschen da zu sein: Aus Bequemlichkeit, aus Angst, aus Scham. Und dann habe ich noch die kritischen Stimmen in meinem Kopf, die mir sagen, dass ich nicht gut genug bin. Dadurch scheint der Weg vor mir unüberwindbar. Es fällt mir schwer, mich von der Dunkelheit meiner eigenen Gedanken zu lösen. Ich fühle mich schwach und feige. Doch Veronika erinnert mich daran, dass Veränderungen immer möglich sind. Ich möchte mutig sein. Ich möchte neue Wege gehen. Ich möchte Veränderung. Mir reicht’s!
V: Heilige Maria, Trösterin der Betrübten,
A: wir kommen zu Dir mit allem, was uns bewegt und belastet. Wir bitten Dich, uns die Kraft zu schenken, aus negativen Mustern auszubrechen und anderen Menschen zu helfen. Hilf uns, mutig neue Wege zu gehen und Veränderungen, die wir uns wünschen, umzusetzen. Amen.
Auf dem Weg zur 9. Station singen wir das Lied „Von guten Mächten“, Strophen 1, 3 & 6 (HL 229):

9. Station – Jesus fällt zum dritten Mal unter dem Kreuz
V: Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich.
A: Denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.
Ich kenne das: Es drückt auf den Schultern. Oder im Bauch. Es ist schwer. Es ist zu viel: Arbeit, Familie, Freunde, Finanzen, Krankheit, Tod… Manchmal sind es nur Kleinigkeiten und ich breche zusammen. Scheitere am Zuviel, an meinen eigenen Ansprüchen, an Erwartungen von Familie oder Freunden, an meinen Zielen, an Vorgaben von anderen…
Und dann liege ich zusammengebrochen unter den Lasten meines Lebens. Ich muss aufstehen. Weitertragen. Auch wenn es schwer ist. Mir reicht’s!
V: Heilige Maria, Trösterin der Betrübten,
A: wie dein Sohn unter der Last des Kreuzes zusammengebrochen ist, so brechen auch wir unter der Last unseres Lebens zusammen und scheitern. Wir bitten dich, besonders in diesen schweren Momenten spürbar bei uns zu sein. Hilf uns, stark genug zu sein, um wieder aufzustehen, um unseren Weg weiterzugehen und unsere Lasten weitertragen zu können. Amen.
In Stille ziehen wir zur 10. Station.
10. Station – Jesus wird seiner Kleider beraubt
V: Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich.
A: Denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.
Wenn ich ungerecht behandelt werde, fällt es mir schwer, meinen Glauben an Gott nicht zu verlieren: Ich habe den Drang, gegen Ungerechtigkeit aufzustehen, und werde laut. Die Vorstellung, denjenigen zu vergeben, die mich ungerecht behandelt haben, ist unmöglich. Und Gott mutet mir das zu. Ich bin wütend und verbittert. Jesus beeindruckt mich, weil er seinen Peinigern vergibt. Er lebt Gottes Liebe. Und mir fällt das so schwer. Mir reicht’s!
V: Heilige Maria, Trösterin der Betrübten,
A: als dein Sohn seiner Kleider beraubt wurde, standest Du an seiner Seite. Hilf uns und steh auch uns zur Seite, wenn wir ungerecht behandelt werden und unseren Glauben zu verlieren drohen. Schenke uns die Kraft, in solchen Zeiten Gottes Liebe zu leben. Amen.
Auf dem Weg zur 12. Station singen wir das Lied „Meine engen Grenzen“ (GL 437):

12. Station – Jesus stirbt am Kreuz
V: Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich.
A: Denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.
Predigt – Schwester Bernadette.
Auf dem Weg zur 15. Station singen wir das Lied „O Haupt voll Blut und Wunden“, Strophen 1, 4, 6 & 8 (GL 289):

15. Station – Jesus ist auferstanden von den Toten
V: Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich.
A: Denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.
Ich kann die beiden Emmausjünger verstehen. Nach dem Leid und dem Tod Jesu am Kreuz sind sie betrübt, hoffnungslos und ohne Perspektive. Sie entscheiden sich, zurück in ihre Heimat Emmaus zu gehen, und verlassen die anderen Jüngerinnen und Jünger. Ich höre sie enttäuscht murmeln: „Mir reicht’s!“
So ganz reichte es ihnen jedoch nicht. Auf dem Weg unterhalten sie sich über Jesus. Über seine Worte. Über ihre Hoffnung. Und über ihre Trauer und ihre Perspektivlosigkeit. Dabei erkennen sie Jesus nicht, als sie ihm begegnen. Jesus fragt nach, erklärt und öffnet ihre Augen: Der Tod ist nicht das Ende, sondern der Beginn eines neuen Lebens.
Gestärkt, voller Freude, Hoffnung und mit neuem Mut treffen die beiden wieder eine Entscheidung: „Mir reicht’s!“ Sie kehren um und gehen sofort zu den anderen Jüngerinnen und Jüngern zurück, um von ihrer Begegnung mit Jesus zu erzählen.
So kann „Mir reicht’s!“ auch der Beginn eines neuen Weges sein. Aufbruch nach einer Krise. Neuanfang nach einem Scheitern.
V: Heilige Maria, Trösterin der Betrübten,
A: dein Sohn Jesus ist den Jüngern auf dem Weg nach Emmaus begegnet, und voll Freude, Hoffnung und Mut kehren diese danach zu den anderen Jüngerinnen und Jüngern zurück. Wir bitten dich um Emmaus-Momente in unserem Leben, wenn wir betrübt, hoffnungslos und ohne Perspektive sind. Hilf uns, Jesus zu erkennen, der uns Aufbruch und Neuanfang ermöglicht. Amen.
Wir singen zum Abschluss das Lied „Wir machen uns auf den Weg“ (HL 257):
