Texte zur Wallfahrt 2026 − „Hömma, soll’n wa ma wieda geh’n?“

Impulse

1. Impuls

„Hömma, soll’n wa ma wieda geh’n?“ – ich weiß nicht, wer von euch so in diesem oder in den vergangenen Jahren zur Wallfahrt eingeladen wurde. Unser diesjähriges Wallfahrtsmotto ist eine Einladung mitzugehen in ehrlichem Ruhrpottdeutsch. Mich erinnert es an meine verstorbene Tante Doris, die in den 80er- und 90er-Jahren mitgepilgert ist. Die hat so gesprochen und würde es lieben. Ich mag an dem Motto zwei Aspekte:

Es ist eine Einladung zum Mitgehen an jemand anderen. Das Motto verdeutlicht: Von Hamborn nach Kevelaer gehe ich nicht alleine. Wir pilgern gemeinsam. Und dafür muss ich mit anderen in Kontakt gehen, andere ansprechen und motivieren mitzupilgern. Gerne auch in unserem Dialekt.

Die Einladung ist handfest und klar. Kein Konjunktiv, kein Rumgelaber. Entweder Ja oder Nein. Entscheide dich und lass Taten folgen. Das gilt für unsere Wallfahrt, aber sicherlich auch für andere Bereiche unseres Lebens und Glaubens.

In diesem Sinne: Hömma, schön, dat wir ma wieda von Hamborn nach Kevelaer geh’n!

2. Impuls

„Hömma, soll’n wa ma wieda geh’n?“ So lautet das diesjährige Motto zur Fußwallfahrt nach Kevelaer. Für viele ein Spruch oder eine Aussage, die Alltag ist und worüber man kaum nachdenkt. Als Auszubildender im Bereich Orthopädietechnik habe ich mir da auch andere Gedanken drüber gemacht. Dort baue ich zum Beispiel Prothesen für Menschen, die ihre Beine durch einen Schicksalsschlag verloren haben. „Ma wieda geh’n“ – für manche ist das ein Traum oder ein Lebensziel, welches sie erreichen wollen. Für manche auch ein unerreichbares Ziel. Lasst uns auch an die Menschen denken, die nicht mehr laufen können, und sie in unseren Gedanken mit nach Kevelaer nehmen. Ich möchte unserem Gott danken, dass wir die Möglichkeit haben, gemeinsam zu pilgern, und bin dankbar, ohne drüber nachdenken zu können sagen zu können: Soll’n wa wieda geh’n.

3. Impuls

Hömma, soll’n wa ma wieda geh’n?

Ganz ehrlich? – Ich kann nicht mehr, ich bin kaputt, ich bin müde. Meine Füße tun mir weh. Aber ich habe mich heute Morgen entschieden, mitzugehen – mit euch gemeinsam – bis nach Kevelaer. Wenn ich so eine Einladung annehme, dann möchte ich auch nicht aufgeben. Ich möchte weitermachen, weiterkommen – einfach weitergehen.

Aber einfach ist es sicherlich nicht immer. Nicht jetzt und hier, aber auch nicht in unserem Alltag. Es gibt so viel, was uns bewegt und beschäftigt. Wir alle haben sicherlich schon einige Krisensituationen erlebt. Ich kann für mich sagen, dass ich die ein oder andere Krise nicht geschafft hätte, ohne eine helfende Hand.

Und genau das ist doch das Wichtigste, dass wir nicht alleine sind.

Hömma .. Ich helfe Dir, ich gebe dir meine Hand und ich trage Dich. Genau das gilt im Leben, aber auch auf den letzten Metern nach Kevelaer. Wir tragen uns gegenseitig und helfen uns, begleiten uns, vielleicht auch als Freund oder Freundin.

Hömma .. nächstes Jahr werden wir wieda geh’n!


Komplet

Lied- und Textheft der Hamborner Fußpilger für die Komplet am Samstag, 12. September 2026.

Eröffnungsimpuls

Hömma, soll’n wa ma wieda geh’n?
Warum habe ich eigentlich Ja gesagt?
Wat habe ich mir da angetan? 50 Kilometer bei dem Wetter…
Meine Beine: kurz nach Orsoy habe ich mir vorgenommen, im nächsten Jahr mache ich zur Vorbereitung wieda mehr Sport… Kurz vor Kapellen hat mein Körper mir gesagt: Nie wieder bist du auf dem Weg dabei…

Und dann sind wir angekommen in Kevelaer. Die anerkennenden Blicke. Ein bisschen stolz bin ich schon. Am Kapellenplatz klatschen einige. Ich höre die Glocken, sehe das Gnadenbild, die kleine Postkarte. Mitpilger:innen umarmen sich. Manchmal fließen auch Tränchen. Wir haben es geschafft. Den Weg. Und unsere Anliegen haben wir mitgebracht. Jede und jeder für sich und dennoch nicht alleine. Gemeinsam.

Und das fühle ich auch am Gnadenbild: Der Trösterin der Betrübten kann ich all meine Anliegen hinschmeißen. Um kurz nach 18 Uhr bin ich geschafft, aber auch erleichtert und getröstet.

Und wenn mich gleich jemand fragt: Hömma, soll’n wa ma wieda geh’n?
Dann weiß ich wat ich sage.

Eröffnung

V: O Gott, komm mir zu Hilfe.
A: Herr, eile mir zu helfen.
V: Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist.
A: Wie im Anfang so auch jetzt und alle Zeit und in Ewigkeit.

Tagesreflexion

Hömma…
der Tach war lang.
Manches war jut.
Manches hätten wa besser machen können.

Hymnus

Hymnus (1)
Hymnus (2)

Psalm 4, 2–9

V: Sei mir gnädig, Herr, und höre auf mein Flehen.
A: Sei mir gnädig, Herr, und höre auf mein Flehen.

V: Wenn ich rufe, erhöre mich, Gott, du mein Retter! Du hast mir Raum geschaffen, als mir angst war.
A: Sei mir gnädig und hör auf mein Flehen!

V: Ihr Mächtigen, wie lange noch schmäht ihr meine Ehre, warum liebt ihr den Schein und sinnt auf Lügen?
A: Erkennt doch: Wunderbar handelt der Herr an den Frommen; der Herr erhört mich, wenn ich zu ihm rufe.

V: Ereifert ihr euch, so sündigt nicht! Bedenkt es auf eurem Lager und werdet stille!
A: Bringt rechte Opfer dar und vertraut auf den Herrn!

V: Viele sagen: „Wer lässt uns Gutes erleben?“
A: Herr, lass dein Angesicht über uns leuchten!

V: Du legst mir größere Freude ins Herz, als andere haben bei Korn und Wein in Fülle.
A: In Frieden leg’ ich mich nieder und schlafe ein; denn du allein, Herr, lässt mich sorglos ruhen.

V: Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist.
A: Wie im Anfang, so auch jetzt und allezeit und in Ewigkeit. Amen.
A: Sei mir gnädig, Herr, und höre auf mein Flehen.

Lesung (Dtn 6, 4–7)

Höre, Israel! Jahwe, unser Gott, Jahwe ist einzig.
Darum sollst du den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft.
Diese Worte, auf die ich dich heute verpflichte, sollen auf deinem Herzen geschrieben stehen.
Du sollst sie deinen Söhnen wiederholen. Du sollst von ihnen reden, wenn du zu Hause sitzt und wenn du auf der Straße gehst, wenn du dich schlafen legst und wenn du aufstehst.

Responsorium (gesungen)

Responsorium

Nunc Dimittis – Lobgesang des Simeon (gesungen)

Sei unser Heil, o Herr, wenn wir wachen, und unser Schutz, wenn wir schlafen; damit wir wachen mit Christus und ruhen in seinem Frieden.

V: Nun lässt du, Herr, deinen Knecht,
A: wie du gesagt hast, in Frieden scheiden.
V: Denn meine Augen haben das Heil gesehen,
A: das du vor allen Völkern bereitet hast,
V: ein Licht, das die Heiden erleuchtet,
A: und Herrlichkeit für dein Volk Israel.
V: Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist.
A: Wie im Anfang, so auch jetzt und allezeit und in Ewigkeit. Amen.

Antiphon (gesungen)

A: Sei unser Heil, o Herr, derweil wir wachen, behüte uns, wenn wir schlafen; damit wir wachen mit Christus und ruhen in Frieden.

Gebet und Segen

V: Herr, bleibe bei uns in dieser Nacht, und wenn wir uns am Morgen erheben, dann lass uns in Freude der Auferstehung deines Sohnes gedenken, der mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit. Eine ruhige Nacht und ein gutes Ende gewähre uns der allmächtige Herr, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.
A: Amen.
V: Und nu Hömma, soll’n wa ma geh’n?
A: Mit Gott!

Schlusslied

Schlusslied


Pilgermesse

Liederheft der Hamborner Fußpilger zum Gottesdienst am Sonntag, 13. September 2026.

Zum Einzug:
Lied zum Einzug (1)
Lied zum Einzug (2)

Zum Kyrie:
Kyrie

Zum Gloria (Strophe 1–3):
Gloria (1)
Gloria (2)

Ruf vorm Evangelium (2x):
Ruf vorm Evangelium (1)
Ruf vorm Evangelium (2)

Zur Gabenbereitung:
Lied zur Gabenbereitung

Agnus Dei:
Agnus Dei

Weiteres Lied

Zur Danksagung:
Lied zur Danksagung (1)
Lied zur Danksagung (2)
Weiteres Lied

Zum Auszug:
Lied zum Auszug (1)
Lied zum Auszug (2)


Kreuzweg

Kreuzweg der Hamborner Fußpilger am Sonntag, 13. September 2026.

Lieder auf dem Weg zum Kreuzweg

Christi Mutter stand mit Schmerzen
Hilf, Herr meines Lebens
Herzliebster Jesu

Eröffnung

Hömma, soll’n wa ma wieda geh’n? Das Motto unserer diesjährigen Wallfahrt mag salopp klingen – eine Aufforderung im feinsten Ruhrpottdeutsch, sich auf den Weg zu machen. Eine Aufforderung, sich anzuschließen, eine Aufforderung, Gemeinschaft auf dem Weg zu erleben, auf eine ganz unverbindliche und doch gerade Weise. Und manchmal schließt man sich auch einem Weg an, der unbequem ist. Weil die Person, die einen zum Mitgehen einlädt, den Weg nicht alleine gehen will. Oder kann.

Beim Kreuzweg schließen wir uns Jesus’ Weg zum Kreuz an. Überhaupt kein angenehmer Weg. Sondern einer, der von Leid durchzogen ist und mit seinem Tod endet. Aber trotzdem wollen wir mitgehen. Um uns zu erinnern, wie viel Gemeinschaft auf unseren Wegen im Leben wert ist. Wir können nicht wie Jesus alles Leid auf uns selber nehmen, auch wenn wir das vielleicht manchmal für Leute auf unserem Lebensweg gerne tun würden. Aber wir können ihnen, so wie uns, vor Augen führen, dass es oft nur einen kleinen Anstoß braucht, um nicht alleine auf schwierigen Wegen zu sein: Hömma, soll’n wa ma wieda geh’n?

1. Station – Jesus wird zum Tode verurteilt

V: Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich.
A: Denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.

„Hömma… Soll’n wa ma wieda geh’n?“ Das ist unser diesjähriges Motto. Ein Motto, das nach Aufbruch klingt. Nach einer Verabredung unter Freunden. Eine Verabredung, die im Alltag getroffen wird. Die darauf abzielt, sich aufzuraffen und etwas zu tun, was man lange nicht mehr getan hat. Und dann läuft man los, lässt den Alltag für eine kurze Zeit hinter sich. Unbeschwert.

Hier an der ersten Station des Kreuzweges ist es Jesus, der sich auf einen Weg begeben muss. Aber er geht nicht freiwillig, sondern er wird getrieben. Verurteilt. Ausgeliefert. Pilatus wäscht seine Hände in Unschuld, weigert sich, Verantwortung für sein Urteil zu übernehmen. Die Menge schreit. Und Jesus? Er steht mittendrin. Er könnte sich verteidigen, er könnte weglaufen. Aber er nimmt das Urteil an. Er geht los. Bis zum Äußersten.

Wir sind gestern Morgen auf unsere Wallfahrt gestartet – vielleicht mit Vorfreude, vielleicht mit schweren Gedanken im Gepäck – und haben auf unserem Weg beinahe 50 Kilometer zurückgelegt. Heute sind die Muskeln schwer. Eigentlich tut alles weh. Wenn ich mich frage, warum ich das hier eigentlich mache, warum ich „wieder gehe“, dann finde ich die Antwort bei Ihm. Jesus zeigt mir an dieser ersten Station: Der Weg führt durch das Schwere hindurch, nicht daran vorbei.

Also: Soll’n wa ma wieda geh’n? Ja, gehen wir los. Mit Ihm.

2. Station – Jesus nimmt das Kreuz auf seine Schultern

V: Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich.
A: Denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.

Meine Nachbarn haben einen Termin beim Arbeitsamt und haben Sorge, dass sie das Beamtendeutsch nicht richtig verstehen. Ein Mädchen in der Parallelklasse möchte sich beim Klassenlehrer über Mobbing in ihrer Klasse beschweren. Sie bitten mich um Hilfe. Um das Dabei-Sein, auch wenn ich weder Ahnung vom Ablauf beim Arbeitsamt noch über das Mobbing in der Parallelklasse habe. Es sind, im Grunde, nicht meine Probleme. Trotzdem mache ich sie zu meinen Problemen, helfe aus, wo ich kann. Manchmal stört es mich, dass sich dadurch mein vorgeplanter Tagesablauf verändert.

Jesus nimmt sein Kreuz ohne Klagen auf. Als Sündenbock zu Unrecht verurteilt. Auf seine Schultern nimmt er mit dem Kreuz auch noch die Schuld der Welt. Ein ganz schönes Gewicht, das ihm da zugemutet wird. Aber Jesus nimmt sich der Verantwortung, die er vom Vater bekommen hat, an. Für uns. Wenn ich das nächste Mal vor der Frage stehe, ob ich meinen Tag nicht besser gestalten könnte, als mich mit den Problemen Anderer zu beschäftigen, kann ich mir ihn immer wieder vor Augen rufen. Seine Liebe zu uns als Vorbild für mich selber nehmen und sagen: „Hömma, ich geh’ mit.“

6. Station – Veronika reicht Jesus das Schweißtuch

V: Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich.
A: Denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.

Veronika reicht Jesus das Schweißtuch. Auf seinem Leidensweg ist da jemand, der ihm zwar nicht das Kreuz von den Schultern nehmen kann, aber ihm zeigt, dass da jemand ist und die ausweglose Situation mit dem Hintergedanken vielleicht sogar etwas weniger schlimm erscheint.

Manchmal gibt es Situationen, die sich nicht einfach lösen lassen. Egal, was ich mache, ich kann sie nicht ändern. Gerade dann tut es gut, jemanden an meiner Seite zu haben. Jemanden, der nicht unbedingt die perfekte Lösung kennt, sondern einfach da ist und mir zeigt: Du bist nicht allein.

Das Schweißtuch steht für mich deshalb nicht nur für ein Stück Stoff. Es steht für die kleinen Gesten, die in schweren Momenten plötzlich ganz groß erscheinen. Eine Umarmung, ein offenes Ohr oder das Reichen eines Taschentuchs, wenn mir die Tränen kommen. Das löst meine Probleme nicht, aber es zeigt mir, dass jemand meinen Schmerz sieht, und gibt mir das Gefühl, getragen zu werden, wenn ich selbst keine Kraft mehr habe.

Und manchmal reicht genau das. Jemand, der mich anschaut und sagt: „Hömma, soll’n wa ma wieda?“

9. Station – Jesus fällt zum dritten Mal unter dem Kreuz

V: Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich.
A: Denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.

Jesus fällt nun zum 3. Mal unter den Lasten des Kreuzes. Doch er wird nicht aufgeben, sondern ein viertes Mal aufstehen und weitergehen.

Ein 3. Mal bei einer Situation versagen, aber sich dennoch wieder hinzustellen und es nochmal zu probieren, das ist nicht leicht. Es ist sogar sehr kräftezehrend. In meinem Studium gab es eine Klausur, bei der ich mehrmals durchgefallen bin. Es war frustrierend, und ehrlich gesagt habe ich nicht gewusst, ob ich mich beim nächsten Durchfallen wieder aufraffen kann und es nochmal probiere. Wahrscheinlich war sich Jesus auch nicht immer sicher, ob er wieder aufsteht, aber er tat es. Ich tat es. Wir alle erleiden manchmal Situationen, die einem misslingen, doch es geht darum, seine Kräfte zu sammeln und es nochmal zu probieren. „Soll’n wa wieda?“

12. Station – Jesus stirbt am Kreuz

Predigt von Andreas Brocke.

Auf dem Weg zur 14. Station singen wir Nr. 50 „Oh Haupt voll Blut und Wunden“:
O Haupt voll Blut und Wunden, voll Schmerz und voller Hohn, o Haupt, zum Spott gebunden mit einer Dornenkron’, o Haupt, sonst schön gezieret mit höchster Ehr’ und Zier, jetzt aber hoch schimpfieret: Gegrüßet sei’st du mir!
Du edles Angesichte, davor sonst schrickt und scheut das große Weltgewichte, wie bist du so bespeit! Wie bist du so erbleichet! Wer hat dein Augenlicht, dem sonst kein Licht nicht gleichet, so schändlich zugericht’t?
Ich danke dir von Herzen, o Jesu, liebster Freund, für deines Todes Schmerzen, da du’s so gut gemeint. Ach gib, dass ich mich halte zu dir und deiner Treu’ und, wenn ich nun erkalte, in dir mein Ende sei!
Wenn ich einmal soll scheiden, so scheide nicht von mir; wenn ich den Tod soll leiden, so tritt du dann herfür; wenn mir am allerbängsten wird um das Herze sein, so reiß mich aus denängsten Kraft deiner Angst und Pein!

14. Station – Jesus wird ins Grab gelegt

V: Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich.
A: Denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.

Der Weg ist zu Ende. Jesus ist tot. Am Kreuz standen seine Freunde und seine Familie und trauerten um ihn. Und dann? „Hömma, lass mal wieder gehen“. Abbruch. Sie sehen den Tod als eine Niederlage, machen sich auf den Weg nach Hause. Trotzdem wird Jesus nicht alleine gelassen. Joseph von Arimatäa gehört nicht zu den bekannten Jüngern um Jesus – er hält sich aus Furcht vor den Römern verdeckt, will nicht auffallen. Aber an dem Punkt, an dem alles verloren scheint, bittet er bei Pilatus um Jesus’ Leichnam für seine Beisetzung. Er zahlt das Grab. Er kümmert sich, obwohl er nicht zu den vertrautesten Personen um Jesus herum gehört.

Für meine Freunde und meine Familie würde ich alles tun. Ich kenne viele Leute, die so denken und handeln. Aber für jemanden, mit dem ich kaum Kontakt habe, so viel zu riskieren, Geld auszugeben… das macht man doch nicht. Doch wenn man sich umsieht und darauf achtet, passiert es plötzlich ganz häufig: Der Frau an der Kasse fehlen ein paar Euro, um ihren Einkauf zu bezahlen, und die Person hinter ihr in der Schlange springt ein; in Kneipen und an Bahnsteigen sehe ich Leute, die Zigaretten an für sie fremde Leute verschenken, und jeden Tag gehen zum Beispiel bei der Feuerwehr Rettungskräfte ein großes Risiko für ihr eigenes Leben ein, um Menschen zu helfen, die sie nicht kennen. Wir können unseren Mitmenschen immer wieder das Gefühl geben, dass sie nicht alleine sind. Mit großen Gesten, aber eben auch mit ganz kleinen. Um zu zeigen, dass es, auch wenn man einander fremd ist, nicht heißen muss, dass man niemanden mehr auf seiner Seite hat.

15. Station – Auferstehung Jesu

V: Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich.
A: Denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.

Für die Jünger schien die gemeinsame Reise nach der Kreuzigung und der Grablege Jesu endgültig vorbei zu sein. Sie sind gelähmt vor Trauer, enttäuscht, resigniert. Jesus ist tot. Das Grab verschlossen. Doch nach drei Tagen ist das Grab plötzlich leer. Jesus ist auferstanden!

Aber diese Erkenntnis kommt nicht sofort. Sie wächst erst nach und nach in den Jüngern heran – auf ihren Wegen zurück in ihr altes Leben. Es sind kleine Momente, in denen Jesus sich offenbart und den Jüngern zeigt: Ihr seid nicht allein!

Für mich bedeutet Auferstehung: Der Tod hat nicht das letzte Wort. Wo etwas endet, beginnt etwas Neues. Die Müdigkeit, die Resignation und die Trauer behalten nicht recht. Ich bin nicht allein.

Ich gehe nach dieser Wallfahrt zurück in den Alltag, zu meiner Familie, in meinen Beruf – das ganz normale Leben eben. Und wenn mich der Alltag wieder einholen will und ich das Gefühl habe, auf der Stelle zu treten, dann will ich diesen Satz im Ohr haben:
Sach ma… Soll’n wa ma wieda geh’n? Ja, mit leichtem Herzen und voller Hoffnung!